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Irgendwie seltsam ist das Verhältnis zwischen dem herkömmlichen Mitteleuropäer und dem Sports Utility Vehicle ja schon. In der Regel schimpft er nämlich wie ein Rohrspatz über „diese völlig undynamischen und viel zu schweren und im Prinzip ja total überflüssigen Spritschleudern“ und hintenrum kauft er sie dann, dass es nur so raucht. Im vergangenen Jahr legte das Segment hierzulande erneut um 15,2 Prozent zu. Ich meine: Ja, wir haben darauf geachtet, dass sie alle über einen Allradantrieb verfügen, aber seien wir mal ehrlich: Bevor Sie einen BMW X3, Audi Q5, Ford Kuga oder Mazda CX 5 in ernsthafter Gelände Mission reüssieren sehen, fährt ein Dacia Sandero einen neuen Nordschleifen Rekord. Für die letzten verschneiten Meter zum Ski Resort reicht es aber allemal. Lediglich der Mazda fällt mit etwas mehr Hubraum (2,2 Liter) und Schaltgetriebe ein wenig aus dem Rahmen. Aber keine Bange, liebe Schaltmuffel: Eine Sechsgang Automatik gibt es gegen 1.800 Euro Aufpreis auch für den CX 5, sie war in unserem Testwagen warum auch immer halt einfach nicht drin. So blieb immerhin die Gelegenheit, sich mit der hervorragenden Sechsgang Schaltung anzufreunden. Sie ist so kurz und launig, als hätte man sie direkt aus einem MX 5 entführt. Allerdings nervt beim Anfahren der lange und dieselig rau vibrierende Kupplungsweg. Er passt nicht wirklich zum Rest des großen Mazda Diesels, der nur wenig Landmaschinen Charme, aber sehr ordentliche Drehfreude verströmt. Seine 175 PS (die wenigsten im Test) sowie die 420 Newtonmeter (die meisten im Test) sorgen für strammen Durchzug und gefühlt für den spritzigsten Charakter.

BMW laut, Ford fad

Das schnellste der vier SUV ketiere hat allerdings einen Propeller auf der Haube. Seit gut zwei Jahren fährt der BMW X3 20d nun bereits mit dem neuen 190 PS Diesel durch die Lande. Das tut er vergleichsweise drehfreudig, recht stämmig und mit der besten Beschleunigung, wenn auch mit einem Nagel Pegel, der eher an einen alten Eicher Bulldog als an einen modernen Familienfreund erinnert. Immerhin hat die ZF Achtgang Box Manieren. Sehr gute sogar. Und einen gewaltigen Speed hat sie ebenfalls. Einmal mehr zeigt sich auch in diesem Vergleich: An der Automatik Front gibt es derzeit nichts besseres und selbst die Doppelkupplungen in Ford und Audi sind nicht flotter oder schlauer. Wobei es in beiden Fällen an Flott und Schlauheit freilich überhaupt nichts auszusetzen gibt. Irgendwas muss beim Kuga trotzdem schief gelaufen sein, denn er büßt beim Sprint auf 100 km/h unerklärliche 0,8 Sekunden auf die handgeschaltete Variante ein. Bis der Ford drei Ziffern auf dem Tacho anzeigt, vergehen zehn Sekunden. Damit fällt er nicht nur auf dem Papier meilenweit hinter der Konkurrenz zurück, auch gefühlt ist der Kölner Vortrieb für 180 PS und 400 Newtonmeter eine zähe Partie. Am Gewicht kann es kaum liegen, denn die Automatik addiert gerade mal 14 Kilo zum noch annehmbaren Gesamtgewicht von 1.716 Kilo.

Es geht auch ohne bäuerlichen Grundton

Bei aller Gemütlichkeit muss man dem Top Kuga allerdings zugestehen: Mit den Ohren seiner Insassen meint er es ausgesprochen gut. Vom Start weg fährt er geräusch und vibrationsarm und nur zu gerne würde man ihm sofort den Kuscheligkeits Preis überreichen, aber dann steigt man in den alten Herren Q5 und der hat das mit der Schmeichelei eben noch einen Tick besser drauf. Wie im X3 leistet der „Clean Diesel“ TDI 190 PS und 400 Newtonmeter. Ganz anders als beim X3 hat man ihn aber offenbar in einen gewaltigen Wattebausch gepackt. Hier nagelt, ruckelt oder stuckert gar nichts. Man muss schon fast auf den Drehzahlmesser schauen, um die Dieselabstammung zu erkennen. Oder auf das kurze Anfahrloch, nach dessen Ende sich der Q5 aber recht passabel nach vorne wirft. Sich und all seine 1.925 Kilo. Ja, der schöne Audi ist weiß Gott in Würde und Eleganz gealtert, aber nach heutigen Maßstäben ist er eine ganz schön dicke Wurst. An seiner Antriebsleistung ändert das weniger als befürchtet. Ob der Praktikant nachts heimlich Vollgas Orgien auf der Autobahn abgefeiert hat, muss noch final eruiert werden. Anders sind die knapp zehn Liter im Schnitt aber kaum zu erklären. Im Verhältnis zu ihren Normangaben lesen sich auch die 8,6 Liter des Kuga sowie die 8,5 Liter des X3 nicht allzu rühmlich. Unangefochtener „Sparkönig“ ist der CX 5, der sich mit 7,8 Liter Diesel im Schnitt zufriedengab. Dabei möchte ich vorwegnehmen: Hartes (und auch weniger hartes) Gelände haben wir unseren SUVs aus eingangs erwähnten Gründen erspart. Die auf einigen Bildern ersichtliche Wiese mit teils kniehohen Gräsern und ein paar sanften Hügelchen war bereits das Höchste der Offroad Gefühle. Alle überlebten unbeschadet.

Kuga und X3 bestechend scharf

Die entscheidenden Unterschiede müssen also auf schnöden Bundesstraßen, schlechten Umgehungsstraßen und kurvigen Landstraßen herausgefahren werden. Letztere sind eindeutig das Revier des Kuga. Die Verwandschaft zum quirligen Kompaktbruder Focus merkt man ihm deutlich an. Wie direkt und unmittelbar dieses Auto um die Ecke pfeift, ist in Anbetracht der Bodenfreiheit beinahe skandalös. Es ist fast wie ADS auf Stelzen. Manchen mag das alles zu nervös sein, aber damit täten sie dem Kölner Unrecht. Warum? Weil zackig bei ihm nicht bockhart heißt. Trotz seiner Athletik federt er souverän und angenehm. Sein Lamellen Allrad (die Hinterachse wird bei Bedarf zugeschaltet) macht das mit der Traktionsversorgung ebenfalls großartig. Wenn in Ihrem SUV Wortschatz also nicht nur „praktisch“ und „hoch sitzen“, sondern auch „dynamisch“ vorkommt, wissen Sie, wo Sie hingehören.

X3 fährt am ausgereiftesten

Der X3 ist nicht so spitz ausgelegt wie der Kuga, bügelt Kurven trotz seiner pfundigen 1.820 Kilo aber mit dem gleichen Verve gerade. Womöglich kommt einem der BMW ein winziges Eck staksiger vor,
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weil man in ihm relativ hoch und gerade sitzt. Nichtsdestotrotz fährt auch dieses SUV nicht wirklich wie ein SUV. Mit der optionalen Dynamischen Dämpfer Control (1.100 Euro) kann man sich sogar den X3 20d zu einem halbwegs wilden Hund heranzüchten. In den Modi Sport und Sport Plus spürt man deutlich, wie sich der ganze Karren strafft, wie der Diesel bissiger (und gefühlt noch lauter) und wie die Lenkung schwerer wird. Er wankt kaum, beißt sich gierig in Kurven fest, lässt seinen vollvariablen Allradantrieb immer im richtigen Maße mit den Kräften jonglieren und vermeidet bei aller Dynamik jegliche Form von Härte. Der X3 besitzt einfach ein Maß an fahrerischer Ausgereiftheit, mit dem die anderen nicht mithalten können.

CX 5 unauffällig, Q5 ganz entspannt

Ja, auch der Mazda nicht. Obwohl uns das mit Abstand geringste Kampfgewicht (bemerkenswerte 1.555 Kilo) und die von Mazda propagierte Steifigkeit den Mund schon vor der ersten Fahrt stark befeuchteten, ist der schneidige Japaner aus fahrdynamischer Sicht allenfalls unauffällig. Keine Frage, er lenkt gut und gefühlvoll ein, hat seine Karosseriebewegungen im Griff und federt trotz der dünn bereiften 19 Zöller absolut zufriedenstellend. Aus seinen gut 160 bis 370 (!) Kilo Gewichtsvorteil gegenüber der Konkurrenz schlägt er jedoch kein spürbares Kurvenräuber Kapital. Handlicher als der Audi wirkt er aber allemal. Die Gewichtsprobleme des Ingolstädters dürften mit der noch 2016 erscheinenden Neuauflage der Vergangenheit angehören. Bis dahin macht der Q5 das Beste draus und gibt den altersmilden Souverän. Bitte nicht falsch verstehen, hier schaukelt beileibe kein Dampfschiff hilflos über den Rhein. Aber mit der sehr leichtgängigen Lenkung, den komfortabel abgestimmten adaptiven Dämpfern und dem eher untersteuernd ausgelegten Fahrverhalten lädt der Q5 mehr zum Gleiten als zum Rasen ein. Aber seien Sie unbesorgt: Die Platzverhältnisse sowohl im Fond als auch im Kofferraum nehmen dem gepäckintensiven Quängel Marathon ins Warme vieles von seinem Schrecken. Das gilt übrigens nicht nur für den Audi, sondern für alle anwesenden Bewerber. Hinten sitzt man grundsätzlich passabel, solange man nicht deutlich größer ist als 1,90 Meter und die Gepäckabteile nehmen es auch nicht übel, wenn der Urlaubs Shoppingwahn mal wieder völlig aus dem Ruder gelaufen ist. 481 (Ford) bis 550 Liter (BMW) schlucken einiges weg. Hat man Größeres vor, schlägt sich das kastige Heck des Kuga mit maximal 1.653 Liter am besten. Der eher rundliche Q5 verdaut bis zu 1.560 Liter. BMW und Mazda liegen genau dazwischen. Ich fasse kurz zusammen: ber das Raumangebot wird keiner der vier Helden diesen Test gewinnen. Dafür sind sie sich einfach zu ähnlich.

Innen trennen Welten

Ganz anders sieht es dagegen aus, sobald man in Reihe eins Quartier bezieht. Ja, alle verfügen über recht bequeme Sitze, ein Lenkrad und einen mehr oder weniger großen Infotainment Bildschirm, der Smartphones connected. Das wars dann aber auch schon mit der Einhelligkeit. Ich sage es nicht gern, aber es hilft ja nichts: Was sich beim Kuga bereits außen ankündigt, setzt sich im Interieur unbeirrt fort im Vergleich zur deutschen Konkurrenz wirkt er ein bisschen wie der Aldi Brotautomat nach einem Besuch in Edekas Feinkost Abteilung. Außerdem gibt es zu viele Knöpfe und die reine Touch oder Sprachsteuerung des Sync2 Systems ist auch nicht der allerletzte Brüller. Daher sei kurz angemerkt: Das Kuga Facelift (ab Anfang 2017) wird nicht nur äußerlich deutlich gewinnen. Der CX 5 gewann bereits Anfang 2015 und das nicht nur mit einer Armada an neuen Assistenzsystemen, sondern auch mit einem Navi Infotainmentsystem, dessen Kartendarstellung noch immer etwas hölzern aussieht, das sich über einen praktischen Dreh Drück Schalter ansonsten aber sehr gut bedienen lässt. Was dem Mazda auch nach dem Facelift fehlt, ist ein Interieur, dass zumindest Grundzüge an Freundlichkeit sowie etwas mehr als nur durchschnittliche Materialqualität zeigt. So interessant und lebendig der Japaner von außen daherkommt, so fad, trist und lieblos wirkt er innen. Aber irgendwo muss der Kampfpreis schließlich herkommen.

Ein „Problem“, das Audi und BMW nicht haben (dazu gleich mehr). Trotz der gut acht Jahre, die der Q5 mittlerweile auf dem Buckel hat, glänzt er noch immer mit der besten Haptik. Etwas angestaubt wirkt sein Cockpit inzwischen trotzdem. Vor allem am Infotainmentsystem hat der Zahn der Zeit recht humorlos genagt. Die Bedienung wirkt trotz einwandfreier Logik etwas altbacken, die Grafiken beinahe antik. Wirklich schlimm ist das alles nicht, wer jedoch das Virtual Cockpit aus neueren Audis kennt, wird sich vorkommen, als starte er gerade einen Amiga 500. Wie man es am besten macht, zeigt einmal mehr der X3. Sein Innenraum wird nie einen Designpreis gewinnen, aber alles ist am rechten Fleck, die optionalen Sportsitze (550 Euro) tun genau, was sie sollen und das große Navi samt iDrive Bedienung kommt nach wie vor einer bedientechnischen Offenbarung gleich.
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